Ins Kafe Kult hatte ich es ja in 7 Jahren München nie geschafft, die Innenstadt war einfach näher; mir war nicht bewusst, dass sich München ein derart runtergekommenes Etablissement leistet, wunderbar! Gut, dass es nun geklappt hat, das Kafe Kult hatte zum innen:welt eingeladen.
Gerade rechtzeitig zu Gender Bombs kamen wir in den kleinen Raum des Cafés, der aus allen Nähten platzte. Dreigeteilte Bühne, in der Mitte das Schlagzeug, links und rechts Keyboard/Synthie mit Bass/Gitarre. Die Songs ruhig, über die Stimme von Stella Lindner kommt Melancholie ins Spiel, Schlagzeug und Elektronik setzen dazu in manchen Songs den doch recht wuchtigen Kontrapunkt. Während ich der Band on tape eher weniger etwas abgewinnen kann, fand ich die Mischung live, untermalt von zum Teil eher psychedelischen Videos, gelungen.
Nachdem wir mit dem Standardsound von Toby Goodshank nicht viel anfangen konnten, war es umso erfreulicher, dass mit Helmut eine echte Überraschung auf die Hallenbühne kam. Denn er hatte als Instrument nur Stimme, Gitarre und Loops; damit kreierte er erstaunlich vielseitige und vielschichtige Songs, die zugleich tanzbar sind. Hier gilt, dass es zu Hause vor der Anlage schwer sein wird, die Faszination von Looping zu verspüren: Wie sich ein Song Schicht für Schicht aufbaut, wie er variiert wird, wie ein Motiv mäandert; dennoch ist Helmut ein vielversprechender Soundtüftler mit einem Gespür für Texte.
Über das Trio Fenster hatte ich ja bereits beim on3 festival lobende Worte verloren, die ich hier nur nochmals bestätigen kann: Kreative Percussion, kleine-feine Details wie ein Leierradio oder das Metallophon und das wunderbar schrammelige Gitarrenspiel und der wuchtige Bass aus zarter Frauenhand machen Fenster zu einer Band, die man leicht unterschätzt, denn das ausgereifte Songwriting geht in all diesen Details fast ein wenig unter.
Am meisten freute ich mich jedoch, meinen deutschen Lieblingskünstler Ludwig Plath alias Touchy Mob zu sehen! Dessen genuine Melange aus “Techno” und Folk, wie er es selbst nennt, konntet ihr ja bereits in eins+zwei MAPs hören. Plath schafft es immer wieder, meine Gedanken wandern zu lassen, ein gewisses Gefühl der Ferne zu erzeugen. Dazu passte die – wie ich finde, sehr gelungene – Bühnendekoration in der “Halle” sehr gut: 3 dimmbare nackte Glühbirnen. Seelenstrip auf der Bühne, eine Erscheinung. Gerne wieder!