50. Music Alliance Pact – Jubiläumsausgabe November 2012

50. Ausgabe. Über 1500 Songs aus aller Welt. Für dieses Jubiläum gibt es exklusive Songs, extra aufgenommen oder zuvor unveröffentlicht. In diesem Monat kann ich euch nur nahelegen, sich die Auswahl in Gänze anzuhören, viele vorher ungehörte Perlen sind zu entdecken. Anbei dennoch einige Empfehlungen, die mir am ehesten zusagen: Aus Österreich kommt von Mauracher kühler (Alb-)Traumpop, Atmosphäre der späten 80er. Übersteuerter Gesang mit Attitüde, auf cool gemachter Synthie: Some Minor Noise aus Kanada polarisieren sicherlich, machen aber Laune. Direkt dazu passend: Der Engländer Dan Crol mit seinem sog. Afro-tinged synth’n’b. Owensie aus Irland lässt sich von lusitanischer Musik inspirieren und kreiert Gediegenes. Die Südafrikaner von Diamond Thug machen Hoffnung: Gespür für Synthies, herausragende Gesangsatmosphäre, frischer Wind. Indiefresse: The Monofones aus der Schweiz mit kurzweiligem Garagenrock. Die Türken um Seni Görmem Imkansiz kombinieren harte Beats mit zirkusartigen Harmonien, sicherlich einen Blick wert.

Alle Empfehlungen am Stück

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GERMANY – Coltran
Touchy MobSeven Hills (Afternoon Touchymap version)

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I’m very proud to present an exclusive recording by my favourite German artist Ludwig Plath aka Touchy Mob, who was first featured on MAP in February 2011. He has reworked his song Seven Hills with guitar, bass and rattle – resulting in something he calls ‘fuzzybuzzy’. I love his velvet voice and how his attention to detail and songwriting skills make my hair stand on end.

Um alle 38 Songs in einer Zip-Datei runterzuladen, bitte rüber zu Gett. Alternativ könnt ihr die einzelnen Songs auch per Rechtsklick auf den Titel runterladen.

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Wer ist denn … Kadavar?


Bereits seit Monaten grab ich an dieser Band herum, auf dass sie beim
Music Alliance Pact mitmache, dank einer gewissen Behördeist dies nicht möglich.
Sei’s drum.


Wohlgemut ist normalerweise keines der Wörter, die einem bei Rock oder Metal als erstes einfallen. Bei dem Berliner Trio Kadavar ist jedoch genau dies der Fall, diese Musik macht einfach Spaß. Man kann das selbstbenannte Debüt auch in die Schublade “Retromania” stecken und abschließen, lässt sich dabei jedoch meiner Meinung nach die aktuell beste Gitarrenmusik aus Deutschland entgehen.

Worauf soll man sich konzentrieren? Den zeitgemäßen Look mit Rauschebart, Haarmähne und Wildledermantel, das Logo? Die zahllosen Genres, die die Band bedienen soll: Von Protometal, Hard Rock, Psychedelic oder sogar Stoner Rock ist zu lesen; zumindest letzteres ist ziemlicher Quatsch. Oder soll man die ganzen Vergleichsbands als Maßstab nehmen, angefangen mit Sabbath, Zeppelin, Ozzy oder Pentagram?

Oder konzentriert man sich lieber auf das, was man hört: Riffs und Gitarrenläufe, die nur eine Richtung kennen – vorwärts. Ein Schlagzeug, das keine Angst vor exzessivem Beckeneinsatz hat, aber auch in ruhigeren Passagen eine akzentuierte Rolle einnehmen kann. Ein Bassist mit flinken Fingern und einer funkigen Note. Und natürlich der Gesang, der klingt, als wäre er hinter einem Vorhang aufgenommen.

Kadavar klingen vertraut, aber sie sind kein Abklatsch. Kadavar spielen mit der Vergangenheit, aber sie nehmen sie ernst. Kadavar machen rohe Gitarrenmusik, die dennoch ein warmes Gefühl vermittelt. Kadavar sind eine Wucht!

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Tame Impala – Lonerism

Tame Impala scheint mir für ihren Erstling Innerspeaker in Europa nicht die Anerkennung bekommen zu haben, die ihnen gebührt. Vereinte der Fünfer aus Australien doch damals musikalische Qualitäten, die eigentlich Konjunktur hatten: Ein feines Händchen für Melodien, insbesondere gelungene Bassläufe, technische Brillanz sowie eine durchgeknallt-entspannte Atmosphäre, von der man sich gerne und zu vielen Anlässen entführen lassen konnte.

Der Nachfolger Lonerism erscheint dieser Tage und setzt den gewählten Stil in modifizierter Weise fort. Insgesamt scheint die Reise stärker in Richtung John Lennon und Donovan zu gehen vom Gesang und Black Rebel von der Gitarre her, ein Stück weg von den Flaming Lips als Einfluss auf die Effektgestaltung. Abwechselnder Gesang, Riffs ohne psychedelische Verzerrung, mehr 60er, ohne deren Belang- und Gefühlslosigkeit zu adaptieren, die viele Retrobands dort fanden. Manchen Songs im Mittelteil von Lonerism scheint oben gelobte Eingängigkeit, zu fehlen die Melodien haben nicht die Anzugskraft, die Tame Impala auf dem Debüt zeigten. Solche Platten benötigen dann zumeist eine längere Einhörungsphase, sind dafür aber auch nicht so leicht ausgenudelt, man wird sehen.

Doch dann kommt mit Elephant die erste Single, deren Refrainriff zwar stark inspiriert von Pink Floyd ist, angesichts der Sogwirkung dieses Prachtstücks von einer Single aber verziehen sei. Interessant, dass ausgerechnet der rockigste Song des Albums Anleihen an der größten Psychedelic-Band nimmt. Lonerism steht somit in sorgfältig austarierter Beziehung zum Debüt und ist somit aller Mühen und Ehren wert. Ein Album zum Wohlfühlen für viele Lebenslagen.

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Konzertplakate: Kevin Tong

Nachdem die letzten Gestalter durch ihre Vielseitigkeit in Sachen Stil und Farbgebung auffielen, ist Kevin Tong direkter; man merkt, dass er aus der Illustratorenecke kommt und daher eine mehr dem Comic ähnelnde Technik nutzt. Der Einsatz von Farbe ist mutig, schafft Plakate Ton-in-Ton, manchmal mit einer Kontrastfarbe akzentuiert.

Dies passt auch gut zu dem Einsamkeits-Topic, mit dem Tong als Motiv immer arbeitet.

Ich habe Tong gefragt, warum eigentlich bestimmte Bands wie bspw. Wilco, The Black Keys oder The National immer wieder bei den Plakatgestaltern auftauchen, ob die Gestalter ein Faible für diese Bands haben oder die Bands auf die Gestalter zukommen: “The bands approach designers. Some bands, such as the ones you mentioned, take posters very seriously and get a different designer for every show on a tour, that’s why you see so many of their posters.”

In loser Reihe werden hier Konzertplakate von einem ausgewählten Gestalter vorgestellt. Denn jene sind eigentlich omnipräsent, werden aber nur selten gewürdigt, sodass vielfach die Qualität nachlässt. Dem muss man entgegensteuern!





Wolfgang Riechmann – ein vergessener Krauttroniker

Es ist immer erstaunlich, was man findet, wenn man sich in ein zeitlich wie inhaltlich vermeintlich so begrenztes Themengebiet wie Krautrock einarbeitet. Man landet auf Seiten, die einen daran zweifeln lassen, dass man so langsam einiges wüsste. Man stolpert zum Beispiel über einen zu Unrecht fast vergessenen Krauttroniker – eine Bezeichnung, die ich angemessener finde für diese Art von Musik – wie Wolfgang Riechmann.

Der Düsseldorfer gehörte zum Dunstkreis des Krautkerns um Conny Plank und Co., spielte in den Formationen Eileen und Streetmark und schuf nach zehn Jahren als Bandzulieferer schließlich ein eigenes Werk, Wunderbar. Es gilt in Progkreisen als ein Höhepunkt des sogenannten motorik style, also dem strikten, repetitiven 4/4tel-Takt, der dem Düsseldorfer Kraut besonders eigen war.

Wolfgang Riechmann - Wunderbar Elektronische Musik gilt ja bisweilen als kalt und unnahbar; diesen Quatsch zu widerlegen fällt mit Wunderbar nicht schwer. Bereits der Titeltrack zeigt, dass einfache Rhythmik, Hintergrundgesang und elektronische Akzentuierung ausreichen, um einen einladenden Eingang in ein Album zu finden, dabei aber Banalität zu vermeiden. Genretypisch befällt den ein oder anderen modernen Hörer angesichts von 5:40 Minuten Intro-Dauer schnell die Unruhe, was jedoch nicht der Fehler des Album oder des krautischen Mäandern ist, sondern des Hörers.

Mit Abendlicht wird deutlich, dass Riechmanns Repertoire breit ist, dunkel wabert der Rhythmus, hell tönt die Sinuskurve. Mit Weltweit hingegen nimmt das Album an Geschwindigkeit auf, der Sequencer schafft durch seine vier Schläge pro Sekunde eine vergleichweisen hektische Grundstimmung, die der Synthesizer durch ausgiebige, synkopische Ausflüge in alle Tonlagen geradezu konterkariert. Himmelblau glänzt mit dem herrlich sonnig-warmen Beat, der das Stück über zehn Minuten trägt und einen gelassen über die lalala-Einlagen hinwegsehen lässt.

Um das Fazit mit den Worten von Jochen Rindfrey zu ziehen:

Insgesamt ist “Wunderbar” ein wahres Kleinod elektronischer Musik aus deutschen Landen, eine schlichte Schönheit, die ohne technische Mätzchen auskommt und dafür umso mehr musikalische Atmosphäre bietet


Falls das Album auf YT down sein sollte, bitte diese Playlist nutzen.

Falls der ein oder andere Hörer anmerken möchte, dass Riechmann sich doch sehr an Mensch-Maschine bzw. den Soloalben von Michael Rother in Sachen optischer und musikalischer Stilistik anlehne, dem sei gesagt, dass die Aufnahmen von Wunderbar bereits im Januar 1978 abgeschlossen waren, Mensch-Maschine sowie Sterntaler jedoch erst im April 1978 erschienen.

Die Veröffentlichung seines Debüts erlebte Riechmann übrigens nicht: Er wurde wenige Tage zuvor von zwei Betrunkenen auf offener Straße erstochen.





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