Gedanken zum Vergleich

“Weißt du, warum wir manchmal nicht so viel sagen in Interviews? Es gibt Leute, die fragen uns, ob wir die neuen White Stripes sind.”


Tyson Vogel von Two Gallants
im Interview mit visions

Es soll hier nicht in erstes Linie um die Offensichtlichkeiten in dem Zitat gehen, sondern um das, was dahintersteckt.

Klar könnte man leicht sagen: “Hey, die klingen halt schon bissle wie die Stripes!”, oder “Bei einem Setup von zwei Leuten mit Gitarre und Schlagzeug muss man sich das immer erst einmal anhören!”

Doch warum macht man das eigentlich? Ich sage auch, sie haben Ähnlichkeiten vom Sound her, aber warum kommt mir das in den Kopf? Warum sage ich zu einem guten Freund “Ey, ich glaub ich hab wieder was für dich, ne Mischung aus Arcade Fire und Modest Mouse!”. Gemeint war in dem Fall Wolf Parade.

Man tut dem Künstler nicht immer Recht, wenn man ihn immer nur im Vergleich zu bereits Bestehendem betrachtet. Aber offenbar muss das Gehirn sich an was orientieren, einem Schema, einer Struktur, die es uns ermöglicht, Dinge einzuordnen.

Das Neue macht somit nicht zwangsläufig aus, dass es noch nie da war, sondern dass es abgewandelt angewatschelt kommt. Was macht uns aber staunen? Dass man sich an nichts wirklich orientieren kann? Dass es auch in ähnlicher Form noch nie da war?

Lass uns mal ein Gedankenspiel vollführen… Viele sagen, Franz Ferdinand waren revolutionär. Ich finde das nicht, denn, wenn man sich mal Gang of Four anhört, erkennt man viele Schemata, die so auf bei den Schotten vorkommen. Für mich damit nicht R-, eventuell aber Evolutionäres.

Jeder sagte, Nirvana sei Revolutionär gewesen und habe deshalb die Menschen / die Jugend so im Sturm erobert. Nerv der Zeit getroffen. Man höre sich Dinosaur Jr. an, die ein gutes Stück davor schon publiziert haben… Ihr wisst, was kommt…

Okay, mal wieder zurück zu den zwei Galanten: Worauf will ich mit dem Gelaber hier raus? Ich werde weiterhin Bands mit anderen vergleichen, denn wenn ich keinen Vergleich finde, ist das auf jeden Fall mal ein intensiveres Hören wert! Bei der Masse an Musik, die grad rauskommt, muss man sich ja irgendwie helfen…
Und wenn ich keinen Vergleich finde oder einen, der holpert – wie bei den Two Gallants bin ich erst einmal begeistert! Wenn ich dagegen etwas höre, was so schon da war, ist unwichtig und geht in so Zeiten zumeist unter – mein Lieblingsbeispiel sind die Futureheads: Nette Musik, gut zum Anhören, aber die werden die keine Musikgeschichte schreiben.

Ich hör im Moment eh lieber Blues, hehe.

(Den Artikel hatte ich vor Unzeiten mal geschrieben, bin grad wieder drüber gestolpert und dachte mir, dass der doch immer noch recht aktuell ist. Daher auch meine etwas älteren Beispiele)





AYWKUBTTOD. Oder: Die Kunst der Reduzierung

Es ist ja unfassbar, wie viel besser das neue Album von And you will know us by the trail of dead – shortcut, anyone? – im Vergleich zu den vorherigen ist.

Der Bombastpathos ist weg, er wich einem eher bluesigen Verständnis von Musik. Manch ein Magazin sieht immer noch “einen Himmel voller Instrument und Pathos”. Haben die das Album angehört? Ein anderes hat’s erkannt: “Eine schockierend schlüssige Platte” .Was man da hört ist Indiebluerockzumheulen! Conrad Keelys Stimme bringt ja fast meine wüstensandtrockene Blumentopferde zum Weinen, so wehmütig schnoddert er zu mid-tempo-esken Versatzstücken mit dem aywkubttod-esken verschleppten Rhythmus. Erst gegen Ende erinnert der Stil wieder an Glamrock-Bombast, die Stücke scheinen mir auch deutlich schwächer. Vielleicht hätte doch eine EP, wie eigentlich geplant, mit vier, fünf, sechs Stücken gereicht?

Nichtsdestotrotz: Anhören, reinhören, einkaufen, freimachen, großreinemachen. Und bitte nicht beim Zug am Ende erschrecken. Ganz schön mies, wenn man das Ding aufm mp3-player laufen hat und grad den Bahnübergang passiert… Ein Presslufthammer war nichts gegen mein Herz.





Joy Zipper


Joy Zipper – The heartlight set

    Dieses Album erschien bereits tief im letzten Jahr, entdeckt habe ich das sympathische Paar jedoch erst jetzt. Das Albumdeckblatt verbreitet einen Charme der 60er, durch polaroidartiges Rauschen und dezentem Lichteffekt in Gold auf Schwarz samt der adretten Tabitha. Die Platte selbst glänzt durch Einhaltung einer für mich wichtigen Regel: Mach Pausen und nimm dir Zeit!
    Die Stimme von Vincent Cafiso erreicht dies durch seine Ähnlichkeit zu Brendan Benson und den Beck der späten 90er, die nicht minder adrette Tabitha Tindale dagegen erinnert mich immer an Garbage. Interessant finde ich, dass die Platte beiden ihre Auftritte gönnt und jede Stimme einen eigenen Sound im Song nach sich zieht, der von sehr ruhig und verspielt zu etwas schrubbliger und rauer reicht, aber sich fast nie in einem der beiden Extreme verirrt.

    Insgesamt schön für ruhige Stunden, die etwas Abwechslung in der Musik gebrauchen können. Oder für mein Auflegen montags.


Amandine – This is there our hearts collide

    Noch ruhiger gehen es Amandine an, die erste Erinnerung ist hierbei auch klar Olof Gidlöfs Stimme zu schulden, denn diese Band erinnert mich an den zerbrechlichen Gesang von Xiu Xiu. Doch ganz so schwer/schwierig wird’s dann doch nicht, stattdessen bewegt sich die Platte in dem Level, wo die langsamen Stücke von I am Kloot und Arab Strap einzuordnen sind, ohne jedoch deren Stimmprägnanz zu erreichen. Am Besten mal reinhören!

    Insgesamt vielleicht eher was für Dämmerungsstunden, die auf der Kippe zwischen daheimbleiben und den nächsten Bands stehen. Oder live am 23.10. im Sunny Red, zumindest laut myspace…





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